IMMER MEHR DESTINATIONEN SETZEN AUF INFLUENCER UND INSTAGRAM. MANCHMAL HAT DAS AUCH FOLGEN…

Immer mehr Regionen und Destinationen setzen auf Influenzer und auf Instagram. Dabei bietet die Plattform Fluch und Segen zugleich.

Zur Zeit touren beispielsweise 15 lokale und internationale Instagrammer aus den USA, Kanada, Deutschland und Australien durch die Republik Südafrika und suchen nach den besten 25 Standorten für spektakuläre Fotos, die für einen Beitrag auf „The Gram“ würdig sind.

Diese Initiative entstand beispielsweise in der Zusammenarbeit zwischen South African Tourism (SA Tourism), Travelstart und @SouthAfrica . Sie ist auch Teil der Feierlichkeiten zu 25 Jahren Demokratie bei SA Tourismus.

Sisa Ntshona, CEO von SA Tourism, sagt, dass diese Aktion „die Schönheit Südafrikas hervorheben und die Welt mit einigen unserer weniger bekannten Sehenswürdigkeiten bekannt machen wird, die es wert sind, bereist zu werden“.

Die Bilder sollen auf allen globalen Social Media Plattformen von SA Tourismus veröffentlicht. Sie werden auch vom @MeetSouthAfrica-Konto auf Instagram geteilt. Inhalte werden auch auf @Travelstart und @SouthAfrica veröffentlicht.

Südafrika liegt inzwischen auf dem fünften Platz als das am meisten „instagramable“ Ländern der Welt. Das Ranking betrachtete 192 Länder und sie wurden nach den besten Sehenswürdigkeiten, visueller Attraktivität und Popularität auf Instagram.

Instagram beeinflusst Buchungsverhalten

Machu Picchu gehört zu den beliebtest Instagram Hotspots.

Es gibt inzwischen sogar Fachleute, die behaupten, dass das Internet oder entsprechend Social Media Plattformen den klassischen Reiseführer abgelöst haben, und noch interessanter: Etwa zwei Milliarden Menschen nutzen Instagram und/oder Facebook jeden Tag. Etwa 60 Prozent der Instagram-NutzerInnen entdecken neue Produkte über die Plattform und die Wahrscheinlichkeit eines Online-Kaufs ist bei ihnen 70 Mal höher als bei Nicht-Instagram-NutzerInnen. Laut einer Studie von Instagram nutzen 48 Prozent die Plattform, um sich über Reise-Destinationen zu informieren und 35 Prozent nutzen es zur Reiseinspiration. Das betrifft vor allem jungen Zielgruppen: So entscheiden sich laut einer Studie von Schofields Insurance 40 Prozent der 18 bis 33-jährigen für ihr Urlaubsreiseziel aufgrund der Instagramability. Eine hohe Instagramability haben Orte, die sich für Instagram-Fotos besonders gut eigenen.

Reichweite erzielen

Blogger und Influencer haben in den sozialen Netzwerken eine enorme Reichweite und da sie als Vorbild dienen, ahmen andere diese Trends nach. Mit teilweise drastischen Folgen. So hat der Auch die Trolltunga in Norwegen ist so ein Ort – über 110.000 Beiträge unter dem Hashtag #trolltunga. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Besucherzahl laut „National Geographic“ von 500 auf 40.000.

Overtourism droht

Die Felszunge, die sich über dem Ringedalsvatnet-See erstreckt, ist berühmt für ein Motiv: Eine Person sitzt ganz vorn auf der Zunge, daneben der See, die Berge, keine Menschenseele. Der Inbegriff von Idylle. Außer, der Mensch an der Spitze würde die Selfie-Kamera aktivieren: Dann wären ziemlich viele Menschen im Hintergrund zu sehen, die Schlange stehen für dieses eine Foto, das es schon so oft auf Instagram gab. Dabei ist der Weg dorthin umständlich und weit, knapp der Stunden dauert die Wanderung dorthin, und hin und wieder muss der Rettungsdienst ausrücken, um verirrte Wanderer zu suchen.

Übrigens: In Teilen Südafrikas sind Schilder an Zäunen entlang von Safarirouten angebracht, die Fotografen auffordern, den Standort von Nashörnern, die Ziel von Wilderern sind, nicht mitzuteilen. Jüngst veröffentlichte das in Colorado ansässige Unternehmen Leave No Trace, eine Organisation, die die verantwortliche Nutzung öffentlicher Flächen fördert, neue Social-Media-Richtlinien, die Geotagging verhindern sollen. In Jackson Hole in den Vereinigten Staaten hat hat der Tourismusverband vorgeschlagen, dass Besucher das generische Orts-Tag „Tag Responsibly, Keep Jackson Hole Wild“ verwenden. Unter Fotografen ist dies allerdings alles andere als unumstritten, schließlich sind die Geotags ja eine Referenz für ein entsprechende Destination, ein Restaurant oder Hotel.

Pächter geben auf

Wie schwierig inzwischen das Verhältnis aus Bekanntheit und Overtourism wurde, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz. Die Pächter der Berghütte in Aescher-Wilkirchli haben wegen des zu großen Ansturmes die Segel gestrichen. Zahlreiche Prominente hatten den Ort auf ihrem Instagram-Account geteilt und damit ein Millionenpublikum erreicht. Für die Pächter Nicole und Bernhard Knechtle-Fritsche waren dies zu viele Gäste. Sie kündigten den Pachtvertrag, das die Infrastruktur des Gebäudes mit der wachsenden Gästezahl nicht mehr Schritt halten konnte.

Dass selbst Instagramer gefährlich leben können, zeigte vor drei Jahren ein Deutscher im peruanischen Machu Picchu, der ein Foto mit seinem Leben bezahlte. Obwohl inzwischen nur noch 2.500 Touristen pro Tag in die Inkastadt aus dem 15. Jahrhundert zugelassen werden, lag der auf über 2.400 Metern hoch gelegene Ort im vergangenen Jahr auf Platz 29 der am meisten gepostesten Orten auf Instagram. Während der Tourist einen anderen Besucher bat, ihn bei einem Luftsprung zu fotografieren, stürzte der Mann einen hundert Meter steilen Abhang hinunter.

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Von franktetzel / Administrator

Folge franktetzel
am Apr 08, 2019